Deine Conversion Rate liegt bei 1 %. Ist das schlecht?

Vielleicht. Und genau das ist das Problem mit Conversion-Rate-Benchmarks: Dieselbe Zahl bedeutet bei zwei Shops etwas völlig anderes.

Von Jason Spizert, Wirtschaftspsychologe (B.Sc.)Lesezeit ca. 6 Min.

Eine Conversion Rate von 1 Prozent bedeutet: Von 100 Besuchern kauft einer. Ob dieser Wert gut oder schlecht ist, lässt sich aus der Zahl allein nicht ablesen.

Kurz zur Zahl selbst: Wenn 100 Menschen deinen Shop besuchen und eine Person kauft, liegt deine Conversion Rate bei 1 Prozent. Shopify rechnet das für dich aus, du findest es in den Analytics.

Die schwierigere Frage kommt danach. Die meisten googeln sie genau so: „gute Conversion Rate“. Dann finden sie 2,5 Prozent in irgendeiner Tabelle, vergleichen ihre 1,0 damit und beschließen, dass etwas kaputt ist.

Deine Conversion Rate ist keine Schulnote.

Eine Benchmark ist Orientierung, kein Zeugnis mit roter Fünf. Sie sagt dir nicht, ob deine Zahl unter deinen Bedingungen in Ordnung ist. Und die Bedingungen unterscheiden sich stärker, als die meisten Tabellen zugeben.

Zwei Shops, dieselbe Zahl, zwei verschiedene Geschichten

Stell dir zwei Shops vor. Beide liegen exakt bei 1,0 Prozent:

Shop A

1,0 %

Produkt
900 € Möbelstück
Besucher
überwiegend kalte Meta-Anzeigen
Kaufentscheidung
wird selten sofort getroffen

1 % ist hier wenig überraschend.

Shop B

1,0 %

Produkt
39 € Nachkaufartikel
Besucher
überwiegend Marken- und Wiederkehrer-Suche
Kaufentscheidung
meist in wenigen Minuten

1 % würde ich hier genauer ansehen.

Gleiche Zahl. Völlig andere Geschichte. (Beispiele zur Veranschaulichung, keine Kundendaten.)

Bei Shop A kaufen Menschen ein teures Möbelstück, die meisten sehen die Marke zum ersten Mal in einer Anzeige. Dass davon nur einer von hundert sofort kauft, ist wenig überraschend.

Bei Shop B geht es um 39 Euro, und ein großer Teil der Besucher kennt die Marke bereits oder hat schon einmal dort gekauft. Bei diesen Voraussetzungen würde ich 1 Prozent deutlich kritischer sehen – nicht weil die Zahl niedriger wäre, sondern weil hier mehr zu erwarten wäre.

Gleiche Zahl. Völlig andere Geschichte. Deshalb bringt dich der Vergleich mit einem fremden Durchschnitt selten weiter.

Trotzdem kurz: die grobe Orientierung

Du suchst wahrscheinlich trotzdem eine Zahl, also drücke ich mich nicht davor: Viele Onlineshops liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Shopify selbst nennt solche Orientierungswerte – und weist im selben Atemzug darauf hin, dass Branche, Produkt, Preis und Traffic-Quelle große Unterschiede machen (Quelle: Shopify-DE-Benchmark-Beitrag, 22.01.2026).

Mehr solltest du aus einer Benchmark nicht herausholen. Wenn irgendein Blog 3 Prozent nennt, musst du deinen Shop bei 2,7 nicht automatisch zur Nachprüfung schicken.

Vier Dinge, die deine Zahl verschieben

Bevor du deine Rate bewertest, lohnt sich ein Blick auf diese vier Punkte. Sie erklären die meisten Unterschiede zwischen zwei Shops – und oft auch die Bewegung im eigenen.

01

Woher deine Besucher kommen

Wer bei Google deinen Markennamen eingibt, kennt dich schon. Wer dich zum ersten Mal in einer TikTok-Anzeige sieht, nicht. Beide zusammen in einer Zahl ergeben einen Mittelwert, der für keinen von beiden stimmt.

Nachsehen: Rate getrennt nach deinen zwei größten Quellen ansehen.

02

Wie groß die Kaufentscheidung ist

Ein Artikel für 30 Euro wird oft im ersten Besuch gekauft. Ein Möbelstück für 900 Euro selten. Das heißt nicht „teuer gleich schlechte Rate“ – aber es verändert, was du von der Zahl erwarten darfst.

Nachsehen: Ehrlich einschätzen: Kauft man dein Produkt spontan oder nach Überlegung?

03

Auf welchem Gerät gekauft wird

Wenn 80 Prozent deiner Besucher am Handy kommen und dein Shop dort schwerfälliger ist, zieht das den Gesamtwert nach unten – auch wenn am Rechner alles gut läuft.

Nachsehen: In den Shopify-Analytics nach Gerät aufteilen und beide Werte vergleichen.

04

Wie sich dein eigener Shop entwickelt

Der wichtigste Punkt. Wenn du acht Wochen bei 1,8 Prozent lagst und jetzt bei 1,1 stehst, ist das ein deutlich interessanteres Signal als jede fremde Durchschnittszahl.

Nachsehen: Verlauf der letzten 8 bis 12 Wochen ansehen, nicht nur diese Woche.

Der bessere Vergleich bist du selbst

Wenn du nur eine Sache aus diesem Artikel mitnimmst, dann diese: Vergleiche deine Conversion Rate zuerst mit deinem eigenen Shop – und Benchmarks erst danach.

Deine letzten acht Wochen

Diese Bewegung sagt dir mehr als jeder Durchschnitt aus dem Internet: Bei dir hat sich etwas verändert. (Beispielverlauf.)

Ein Durchschnitt aus dem Internet kennt weder dein Produkt noch deine Kunden. Dein eigener Verlauf schon. Wenn die Zahl über Wochen stabil war und jetzt fällt, hast du einen konkreten Anhaltspunkt – und musst nicht raten, ob 1,1 Prozent „gut“ sind.

Was deine Lage dir gerade sagt

Vier typische Fälle – und was jeweils der sinnvolle nächste Schritt ist:

Niedrig, aber seit Monaten stabil

Zuerst den Kontext prüfen: Preis, Produkt, woher die Besucher kommen. Kein Grund für Aktionismus.

Plötzlich gefallen

Herausfinden, was sich verändert hat — neue Kampagne, neue Zielgruppe, Umbau am Shop, Feiertage.

Nur eine Quelle ist auffällig

Diese Quelle getrennt ansehen. Der Gesamtwert ist dann nur ein Mittelwert aus gut und schlecht.

Viele Besucher, kaum Käufe

Jetzt ist die Zahl wirklich auffällig. Als Nächstes suchst du die Stelle, an der die Leute aussteigen.

Wenn die Zahl wirklich auffällig ist

Dann kommt die nächste Frage: Wo verlierst du die Leute eigentlich?

Eine niedrige Rate sagt dir, dass etwas nicht rund läuft – aber nicht, wo. Beim Traffic? Auf der Produktseite? Im Warenkorb? Im Checkout? Genau dafür haben wir den nächsten Insight gebaut.

Viele Besucher, keine Verkäufe: So findest du heraus, wo dein Shop wirklich Umsatz verliert →

Was ich Montagmorgen prüfen würde

  1. 1

    Conversion Rate der letzten 8 bis 12 Wochen ansehen – nicht nur den heutigen Wert.

  2. 2

    Prüfen, ob sie tatsächlich gefallen ist oder nur schwankt.

  3. 3

    Die größten Quellen getrennt ansehen: bezahlte Anzeigen, Suche, direkte Aufrufe.

  4. 4

    Handy und Rechner nebeneinanderlegen.

  5. 5

    Erst wenn die Zahl wirklich auffällig ist: die Stelle im Kaufprozess suchen.

Und wenn du wissen willst, was eine Veränderung der Rate wirtschaftlich bedeutet: Sie ist der direkteste Hebel auf den ROAS. Von 1,2 auf 1,5 Prozent sind ein Viertel mehr Umsatz aus demselben Werbebudget. Nachgerechnet in ROAS: Formel, Berechnung und warum die Zahl täuscht.

Die Frage ist nicht, ob du die perfekte Conversion Rate hast. Die Frage ist, ob du verstehst, warum sie gerade so aussieht.

Wenn du weißt, dass dein Shop Traffic hat, aber nicht weißt, wo genau Umsatz verloren geht, ist der nächste sinnvolle Schritt keine weitere Maßnahme, sondern eine strukturierte Diagnose.

Genau das ist unser Shop-Audit: Wir gehen die Prüf-Reihenfolge aus diesem Leitfaden mit deinen echten Daten durch. Schritt 1 ist dabei die Messvalidierung, weil jede weitere Analyse sonst auf einem falschen Fundament steht.

  1. 01Daten & Messung prüfen
  2. 02Bruchstelle lokalisieren
  3. 03Klar priorisierte Ergebnisse mit einem nächsten Test
Shop-Audit anfragen

Häufige Fragen

Es gibt keinen Wert, der für jeden Shop gilt. Viele Onlineshops liegen grob im niedrigen einstelligen Prozentbereich, aber Preis, Produkt, Traffic-Quelle und Gerät verschieben die Zahl stark. Eine Benchmark ist Orientierung – dein eigener Verlauf sagt dir mehr.
Kommt darauf an, wer bei dir ankommt und was du verkaufst. Bei einem teuren, erklärungsbedürftigen Produkt mit überwiegend kalter Werbung ist 1 % wenig überraschend. Bei einem günstigen Nachkaufartikel, den vor allem wiederkehrende Kunden über die Markensuche finden, würde ich genauer hinschauen.
Käufe geteilt durch Besuche, mal 100. Von 100 Besuchern kauft einer: 1 Prozent. Shopify rechnet das in den Analytics selbst aus, du musst nichts nachrechnen.
Weil sich damit meist ändert, wer überhaupt kommt. Bezahlte Reichweite bringt viele Menschen, die deine Marke zum ersten Mal sehen. Wenn dabei die Zahl der Bestellungen steigt und nur die Rate fällt, ist das kein Alarmsignal – es ist der Verdünnungseffekt größerer Reichweite.

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