Eigene Modemarke gründen: Kosten, Produktion und die ersten 100 Kunden
Eigene Modemarke gründen: drei Produktionswege mit Mindestmengen, eine Hoodie-Kalkulation mit Retouren, Drops, Markenanmeldung und die ersten 100 Kunden.

Jason Spizert
Aktualisiert am 21. Oktober 2026
Veröffentlicht ca. 6 Min.
Die kurze Antwort
Eine eigene Modemarke gründest du in dieser Reihenfolge: erst festlegen, für welche Szene du Kleidung machst und wogegen du stehst, dann den Produktionsweg nach Mindestmenge und Marge wählen, den ersten Drop durchrechnen und erst danach den Shop bauen. Zum Testen reicht Print on Demand ohne Mindestmenge, ein eigener Schnitt startet bei Herstellern oft bei 150 bis 300 Stück je Modell oder Farbe. Die ersten 100 Kunden gewinnst du über Menschen, die dich vor dem Launch schon kennen, nicht über kalte Werbung.
Du hast Designs. Einen Ordner voller Skizzen, ein paar Mockups, vielleicht schon einen Instagram-Account. Und die Frage, wie daraus eine Marke wird.
Die ehrliche Antwort: Die Designs sind der kleinste Teil. Ein Motiv lässt sich an einem Nachmittag nachmachen. Nicht nachmachen lassen sich Menschen, die genau deine Teile tragen wollen, weil die Teile etwas über sie sagen.
„Habe einen Shop mit Tassen, T-Shirts und Sweatshirts mit verschiedenen Designs, die ich mir Canva Pro erstellt habe. […] Leider habe ich bis heute noch keine Verkäufe erzielen können. […] Ich bewerbe meinen Shop auf Facebook, Instagram, Tiktok und Bing.“Shopbetreiberin, Shopify Community, Januar 2026
Designs, Shop, Werbung auf vier Kanälen, keine Bestellung. So sieht es aus, wenn das Motiv am Anfang steht. Dieser Artikel ist die Mode-Fassung von Eigene Marke gründen, dort stehen die allgemeinen Schritte und Pflichten. Hier geht es um das, was bei Kleidung anders ist: Mindestmengen, Retouren und Drops.
Für wen machst du Kleidung, und wogegen?
Eine Modemarke beginnt mit einer Szene, nicht mit einem Motiv. Szene heißt: Menschen, die etwas gemeinsam tun oder gemeinsam ablehnen. Boulderer, Pflegekräfte, die Skater einer Stadt.
Das „wogegen“ lassen die meisten weg. Dabei macht es die Marke erst sichtbar: Wer sagt, wogegen er steht, sagt auch, für wen er nicht ist. Genau das macht ein Kleidungsstück zum Zeichen.
Nische
Eine Nische ist kein kleiner Markt. Sie ist ein Markt, der dich wiedererkennt.
Wie aus so einem Satz Name, Bildsprache und Ton werden, zeigt unsere Seite zur Branding-Agentur.
Welcher Produktionsweg passt für den Start?
Für das erste Teil gibt es drei Wege. Der wichtigste Unterschied: wie viel Geld fließt, bevor du ein einziges Teil verkauft hast.
Print on Demand: Ein Dienstleister bedruckt einen Standard-Rohling erst nach der Bestellung und verschickt ihn. Bei Printful kostet ein bedruckter Hoodie 24 bis 50 Euro inklusive Mehrwertsteuer plus Versand, ab 25 Stück gibt es bis zu 38 % Rabatt, produziert wird in zwei bis fünf Werktagen.
Veredelte Rohlinge: fertige Basisteile in kleiner Menge, bedruckt oder bestickt, mit eigenem Etikett. Helloprint nennt für zehn Stanley/Stella-Hoodies mit Digitaldruck auf der Brust 45,83 Euro netto pro Stück. Für den ersten Drop ist das für die meisten der richtige Weg: Die Menge bleibt so klein, dass ein Fehler nicht die Firma kostet.

Eigener Schnitt (Cut & Sew): Ein Hersteller fertigt nach deinem Schnitt aus deinem Stoff. Ein Hersteller aus Los Angeles nennt 150 Stück je Modell, eine Übersicht für Portugal 150 je Modell und Farbe bis 300 je Farbe, dazu fünf bis acht Wochen Produktion plus Musterrunden. Läuft ein Modell in drei Farben nicht, liegen bei 300 Stück je Farbe 900 Teile im Lager.
| Weg | Mindestmenge | Preisbeispiel Hoodie | Vorlauf | Was du bestimmst |
|---|---|---|---|---|
| Print on Demand | keine (Printful) | 24 bis 50 € inkl. MwSt., plus Versand | 2 bis 5 Werktage Produktion | Motiv und Platzierung |
| Veredelte Rohlinge | klein, Menge wählst du | 45,83 € netto bei 10 Stück mit Brustdruck (Helloprint) | je nach Veredler | Rohling, Veredelung, Etikett, Verpackung |
| Eigener Schnitt | 150 je Modell bis 300 je Farbe (Herstellerangaben) | nur auf Anfrage, plus Schnitt und Muster | 5 bis 8 Wochen Produktion, Muster davor | Stoff, Passform, jedes Detail |
Fang mit dem Weg an, bei dem ein Fehler billig ist. Wechsle, wenn die Nachfrage belegt ist.
Was kostet ein Hoodie, und was bleibt dir übrig?
Rechne den Preis rückwärts: Vom Verkaufspreis gehen erst alle Kosten ab, die bei jedem Verkauf anfallen. Was übrig bleibt, muss Shop, Fotos, Muster und dich selbst tragen.
Die Mehrwertsteuer steckt mit 19 % im Bruttopreis. Die Ware ist das Angebot für zehn bedruckte Hoodies, die Zahlungsgebühr der Basic-Satz von Shopify Payments, 2,1 % plus 0,30 Euro. Verpackung, Versand und Werbung sind Annahmen, setz deine eigenen Zahlen ein. Was Shopify darüber hinaus kostet, steht in Was kostet Shopify?.
Übrig bleiben 23,81 Euro, gut 18 % vom Preis. Bei 50 oder 100 Stück sinkt der Warenpreis. Genau das ist der Haken an der Mindestmenge: mehr Marge pro Teil, mehr Geld im Lager.
Und hier wird die Rechnung zur Markenfrage. Einen Hoodie für 129 Euro kauft nur, wer versteht, warum er so viel kostet. Ein Motiv auf einem Standard-Rohling erklärt das nicht. Eine Szene, die das Teil als Zeichen trägt, schon.
Marge
Deine Marge entscheidet sich nicht in der Tabelle, sondern in der Positionierung.
Warum Drops statt Dauersortiment?
Ein Drop ist eine kleine, begrenzte Menge zu einem angekündigten Termin. Für eine neue Modemarke hat das drei Vorteile, und alle drei haben mit Geld zu tun.
Unterschätzt wird die Größenverteilung:
Bei Suvene, einer Streetwear-Marke mit starker Community, haben wir einen Early-Access-Bereich gebaut, damit Drops sauber laufen: Die treuesten Kunden kommen zuerst dran, und der Shop verkraftet die Nachfrage am Termin. Wie man solche Stammkunden hält, steht auf unserer Seite zur Kundenbindung.
Plane den ersten Drop, bevor du den Shop planst. Der Shop ist das Werkzeug für den Drop, nicht umgekehrt.
Wie schützt du den Namen deiner Modemarke?
Prüf den Namen, bevor du Etiketten bestellst. Ein Name, den es in deiner Klasse schon gibt, ist kein Name. Er ist ein späterer Streit.

Gewerbe, Verpackungsregister und Produktsicherheit stehen in Eigene Marke gründen, was genau auf die Produktseite muss, in GPSR im Onlineshop.
Wann kommt der Shop?
Nach dem Drop-Plan. Wenn feststeht, für wen, welche Teile, wie viele und an welchem Termin, ist der Shop schnell gebaut, denn jede Entscheidung hat dann einen Maßstab.

In welcher Reihenfolge du Recht, Zahlung und Versand aufsetzt, steht in Onlineshop eröffnen. Wenn Szene, Drop und Kalkulation stehen, bauen wir den Shop so, dass er die Marke zeigt und nicht das Theme. Wie das abläuft, steht auf der Seite Onlineshop erstellen lassen.
Woher kommen die ersten 100 Kunden?
Von Menschen, die dich vor dem Launch schon kennen. Kalte Werbung erreicht Leute, die deine Marke zum ersten Mal sehen und erst Vertrauen fassen müssen. Ein Gründer schrieb nach dem Start seiner Facebook-Anzeigen:
„diese laufen auch extrem gut, nur leider habe ich sehr viele abgebrochene Warenkörbe. Ich habe alles schon versucht.“Gründer einer Modemarke, Shopify Community
Klicks waren da, Käufe nicht. Wer klickt, ist neugierig. Kaufen ist eine Frage von Vertrauen.
Für die Warteliste reicht zum Start ein E-Mail-Tool, wie daraus automatische Mails werden, zeigt unsere Seite zum E-Mail-Marketing für Shopify. Wie du Creator aus der Szene findest und bezahlst, steht in UGC-Content für Onlineshops und auf der Seite zum Affiliate- und Creator-Programm.
Bei Suvene in Streetwear und bei der Schmuckmarke Koluré war die Community zuerst da. Unser Teil war, den Shop so umzubauen, dass er der Marke gerecht wird. Ab welchem Wert sich Werbung danach trägt, rechnest du mit dem Artikel zum ROAS und der Gewinnschwelle.
Die ersten 100 Kunden kaufst du nicht ein. Du sammelst sie, bevor der Shop online geht.
Häufige Fragen
Das hängt vor allem am Produktionsweg. Mit Print on Demand zahlst du keine Ware im Voraus, ein bedruckter Hoodie kostet bei Printful 24 bis 50 Euro pro Stück. Feste Beträge sind die Online-Anmeldung beim DPMA mit 290 Euro für bis zu drei Klassen und Shopify ab 27 Euro im Monat bei jährlicher Zahlung; dazu kommen Muster, Fotos und ein Werbebudget.
Bei Print on Demand keine. Bei veredelten Rohlingen bestimmst du die Menge weitgehend selbst, ein öffentliches Angebot gibt es zum Beispiel für zehn Stück. Bei eigenem Schnitt nennen Hersteller Mindestmengen von 150 Stück je Modell bis 300 Stück je Farbe.
Ohne Geld für Ware ja, mit Print on Demand. Markenanmeldung, Muster und Werbung kosten trotzdem. Und die Marge ist kleiner, weil du pro Teil mehr zahlst als bei einer eigenen Charge.
Rückwärts: Vom Bruttopreis gehen Mehrwertsteuer, Ware, Verpackung, Versand, Zahlungsgebühr, Retouren und Werbung je Verkauf ab. Was übrig bleibt, muss Shop, Muster, Fotos und dich selbst tragen. Im Beispiel im Artikel bleiben von 129 Euro 23,81 Euro.
Höher als in jedem anderen Sortiment. Laut EHI hatten 2026 67,5 % der befragten Mode-Händler eine Retourenquote von mehr als 20 %. Plane Retouren deshalb als festen Posten in jede Kalkulation ein.
Pflicht ist es nicht, aber ohne Eintragung hast du wenig in der Hand, wenn jemand denselben Namen nutzt. Für Kleidung ist Klasse 25 zuständig, beim DPMA kostet die Online-Anmeldung 290 Euro für bis zu drei Klassen. Welche Klassen du brauchst, klärst du mit einer Kanzlei für Markenrecht.
Erst die Szene, dann der Shop. Instagram und eine Warteliste bauen das Publikum für den ersten Drop auf, der Shop verkauft ihn. Ein Shop ohne Publikum bleibt leer, ein Publikum ohne Shop kann nicht kaufen.











