Schmuck online verkaufen: Kanäle, Gebühren und Pflichten für Schmuckmarken 2026
Schmuck gewerblich online verkaufen: eigener Shop, Etsy, Amazon, OTTO und TikTok im Gebührenvergleich, Feingehalt, Nickel, synthetische Diamanten und Versandgrenzen.

Jason Spizert
Aktualisiert am 26. Oktober 2026
Veröffentlicht ca. 9 Min.
Die kurze Antwort
Als Schmuckmarke oder Goldschmiede verkaufst du online am günstigsten im eigenen Shop: Dort zahlst du rund 2 % Zahlungsgebühr, Marktplätze nehmen 9 bis 22 % je Verkauf, und Amazon und TikTok verlangen für Schmuck eine Freigabe. Drei Dinge sind bei Schmuck anders als bei anderer Ware: Material und Steine müssen exakt beschrieben sein (Feingehalt, „vergoldet“, „synthetischer Diamant“), Modeschmuck muss die Grenzwerte für Nickel, Blei und Cadmium einhalten, und die Paketdienste nehmen Schmuck nur bis rund 500 € Warenwert.
Wer „Schmuck online verkaufen“ sucht, findet fast nur Goldankauf und Tipps für alten Familienschmuck. Wenn du gebrauchten Schmuck loswerden willst, ist ein Juwelier oder ein seriöser Goldankauf meist der bessere Weg. Dieser Artikel ist für alle, die Schmuck gewerblich verkaufen: als Schmuckmarke, Goldschmiede oder mit eigener Kollektion.
Laut HDE Online-Monitor 2026 wird fast ein Viertel des Umsatzes mit Schmuck und Uhren online gemacht, 24,3 % im Jahr 2025, Tendenz steigend. Online kaufen die Leute Schmuck also längst. Die Frage ist, wo und bei wem.
Wo kannst du Schmuck online verkaufen?
Im eigenen Shop, auf Marktplätzen wie Etsy, Amazon, OTTO, Zalando oder ABOUT YOU und im TikTok Shop. Der Unterschied liegt vor allem in der Provision. Wähl einen Preis:
Je teurer das Stück, desto stärker fallen Provisionen ins Gewicht. Bei einer Kette für 800 € zahlst du bei Amazon 77,50 €, bei OTTO 150 €. Im eigenen Shop sind es rund 17 € an Zahlungsgebühren, dafür bringst du die Besucher selbst. Und der TikTok Shop scheidet für dieses Stück aus, weil Schmuckangebote dort höchstens 500 € kosten dürfen.
| Kanal | Voraussetzung für Schmuck | Monatlich |
|---|---|---|
| Eigener Shop | keine besondere | ab 27 € (Shopify Basic, jährlich) |
| Etsy | eigene Designs oder Handarbeit | keine Grundgebühr, 0,20 $ je Angebot |
| Amazon | Freigabe der Kategorie Schmuck, nur Neuware | 39 € |
| Amazon Handmade | Bewerbung, nur echte Handarbeit, 12 % Provision | 39 €, für Zugelassene erlassen |
| OTTO Market | Firma, keine Kleinunternehmer | 99,90 € |
| ABOUT YOU | Modemarke mit Sitz in der EU, 4 bis 24 % je Kategorie | keine Registrierungsgebühr |
| TikTok Shop | Freigabe für Edelmetall und Diamanten, höchstens 500 € je Angebot | keine |
Zalando führt Schmuck als eigene Kategorie, nennt die Provision aber nur im Partnerbereich. Frag die Sätze dort schriftlich an. Wie du mehrere Marktplätze an einen Shopify-Shop anbindest, steht in Shopify mit Amazon und eBay verbinden, den TikTok Shop erklärt TikTok Shop in Deutschland.
Was du bei der Beschreibung beachten musst
Bei kaum einer Ware entstehen so viele Abmahnungen aus einzelnen Wörtern wie bei Schmuck. Der Grund: Kunden verbinden mit „Gold“, „Diamant“ oder „nickelfrei“ feste Erwartungen, und das Irreführungsverbot schützt genau diese Erwartungen.
Den Feingehalt musst du nach dem Feingehaltsgesetz nicht angeben, und auch das Stempeln ist freiwillig. Gibst du ihn an, muss er in Tausendteilen stehen und darf höchstens 10 Tausendteile abweichen. Für die Richtigkeit haftest du als Verkäufer, falsche Angaben kosten bis zu 5.000 € Bußgeld.
Kaufst du Modeschmuck zu, lass dir die Einhaltung der Grenzwerte belegen. REACH begrenzt die Nickelfreisetzung bei Schmuck mit Hautkontakt auf 0,5 µg/cm² pro Woche, bei Piercing-Steckern auf 0,2. Blei muss in jedem Einzelteil unter 0,05 %, Cadmium in Metallteilen unter 0,01 % liegen. Dazu kommen die Herstellerangaben nach GPSR auf jeder Produktseite, auch bei selbst gefertigtem Schmuck. Mehr dazu in GPSR im Onlineshop.
Ein Nebenbefund: Wer gebrauchten Schmuck oder Altgold ankauft und weiterverkauft, betreibt nach § 38 GewO ein überwachungsbedürftiges Gewerbe mit Zuverlässigkeitsprüfung. Für den Verkauf eigener neuer Kollektionen gilt das nach dem Wortlaut nicht.
Versand: ab 500 € wird es schwierig
Der Punkt, an dem viele Schmuckshops erst nach dem Start hängen bleiben: Die großen Paketdienste nehmen Schmuck nur bis zu einem Warenwert von rund 500 €.
Für teurere Stücke brauchst du eine Lösung vor dem ersten Verkauf: einen Geschäftskundenvertrag mit Sonderregelung, einen Werttransport oder eine spezialisierte Versicherung. Spezialisierte Makler versichern auch höhere Werte, aber nur, wenn der Paketdienst die Sendung überhaupt annimmt. Die DHL-Angaben widersprechen sich zwischen AGB und einer Infoseite, deshalb: schriftlich klären. Was Versand im Shop allgemein kostet, steht in Versandkosten im Onlineshop.
Widerruf bei Gravur und Ohrringen
Persönlich gravierter Schmuck ist vom Widerruf ausgeschlossen, weil er nach den Wünschen des Kunden gefertigt wird. Bei einem Konfigurator mit vorgegebenen Optionen wie Metallfarbe, Größe oder Stein sieht die IT-Recht Kanzlei das in der Regel anders: Das Stück bleibt weiterverkäuflich, der Widerruf gilt.
Ohrringe gelten laut Fachliteratur meist nicht als Hygieneware, weil sie sich reinigen lassen. Ein Ausschluss setzt immer eine echte Versiegelung voraus. Seit Juni 2026 brauchst du außerdem einen Widerrufsbutton. Das hier ist keine Rechtsberatung.
Was den Verkauf im Schmuckshop treibt
Studien speziell zu Schmuck gibt es kaum, die allgemeinen Befunde passen aber gut. Laut Baymard schauen sich 56 % der Testpersonen auf der Produktseite zuerst die Bilder an, und 42 % versuchen, die Größe eines Produkts aus den Bildern abzulesen. Für Schmuck heißt das: neben dem freigestellten Foto immer ein Bild am Körper, damit die Größe einer Kette oder eines Anhängers sichtbar wird.
Vertrauen
Bei teurem Schmuck kauft niemand ein Foto. Er kauft die Sicherheit, dass Material, Größe und Rückgabe genau so sind, wie die Seite verspricht.
Bewertungen wirken bei teureren Produkten besonders stark: Laut Spiegel Research Center stieg die Conversion mit Bewertungen bei teureren Produkten um 380 %, bei günstigen um 190 %. Für Ringe brauchst du eine klare Größenhilfe, für Gravuren ein Feld im Warenkorb mit Vorschau.
In Shopify bildest du das mit Varianten ab, bis zu 2.048 je Produkt bei höchstens drei Optionen wie Metallfarbe, Größe und Stein. Für den Feingehalt gibt es kein Standardfeld, dafür legst du ein eigenes Metafeld an. Wie gute Produktfotos aussehen, steht in Produktfotos für den Onlineshop.
Eigener Shop zuerst, wenn …
- deine Stücke über 100 € kosten und Provisionen schmerzen
- du eine Marke mit eigener Bildsprache aufbaust
- du Gravur oder Konfiguration anbietest
- du über Instagram oder Stammkunden schon Nachfrage hast
Marktplatz zuerst, wenn …
- du handgemachte Einzelstücke ohne eigene Reichweite verkaufst (Etsy)
- du testen willst, ob deine Designs ankommen
- deine Stücke günstig sind und vom Mitnahmekauf leben
- du keine Zeit für Werbung hast
Den Shop baust du Schritt für Schritt mit Shopify-Shop erstellen. Wie aus einer Kollektion eine Marke wird, steht in Eigene Marke gründen. Willst du den Shop bauen lassen, zeigt Onlineshop erstellen lassen, was in welchem Umfang steckt.
Häufige Fragen
Gebrauchten Schmuck von privat verkaufst du am einfachsten beim Juwelier, über einen Goldankauf oder über Kleinanzeigen. Als Schmuckmarke oder Goldschmiede verkaufst du im eigenen Shop am günstigsten: Bei einem Ring für 300 € gehen dort rund 6,60 € an Zahlungsgebühren, bei Etsy 31,80 €, bei Amazon 52,50 € und bei OTTO 60 €.
Das Feingehaltsgesetz schreibt die Angabe im Shop nicht vor, und das Stempeln ist freiwillig. Wenn du ihn angibst, dann in Tausendteilen, etwa 585 oder 750, mit höchstens 10 Tausendteilen Abweichung. Für die Richtigkeit haftest du als Verkäufer. Auf vergoldeter oder gefüllter Ware darf kein Feingehalt stehen.
Laut DHL-AGB sind Pakete mit Schmuck über 500 € von der Beförderung ausgeschlossen, bei DPD über 520 €. Für teurere Stücke brauchst du einen Geschäftskundenvertrag mit Sonderregelung oder eine Wertversicherung, die der Paketdienst akzeptiert. Kläre das schriftlich, bevor du teure Stücke anbietest.
Ja, wenn er nach den Wünschen des Kunden gefertigt wird, etwa mit einer persönlichen Gravur. Ein Konfigurator mit vorgegebenen Optionen wie Metallfarbe oder Größe reicht dafür in der Regel nicht, weil das Stück weiterverkäuflich bleibt. Ohrringe gelten laut Fachliteratur meist nicht als Hygieneware.
Der Bundesverband Schmuck und Uhren empfiehlt seit dem Beschluss des Weltverbands CIBJO vom 07.09.2026 „synthetischer Diamant“. „Labordiamant“ ist verbreitet, steht aber nicht in den Branchenregeln, „Zuchtdiamant“ und „Kulturdiamant“ sollst du nicht verwenden. „Echt“ und „natürlich“ sind Natursteinen vorbehalten.
Ja, aber Schmuck mit Edelmetall oder Diamanten braucht eine Freigabe, und ein Schmuckangebot darf höchstens 500 € kosten. Für die Freigabe können Links zu einem bestehenden Shop mit Bewertungen und eine REACH-Konformitätserklärung verlangt werden.
Laut REACH Anhang XVII: Nickel darf aus Schmuck mit Hautkontakt höchstens 0,5 µg/cm² pro Woche freisetzen, aus Steckern für Piercings 0,2 µg/cm². Blei muss in jedem Einzelteil unter 0,05 Gewichtsprozent liegen, Cadmium in Metallteilen unter 0,01 %. Bei Ware aus Fernost lass dir das vom Lieferanten belegen.











