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Wie wechselst du das Shopsystem, ohne deine Google-Rankings zu verlieren?

Shop-Migration oder Relaunch ohne Ranking-Verlust: warum Shops beim Umzug Rankings verlieren und die SEO-Checkliste dagegen, von der Top-Prio-Liste über 301-Weiterleitungen bis zu den ersten Wochen danach.

Jason Spizert

Jason Spizert

Veröffentlicht am

ca. 9 Min.

Die kurze Antwort

Ob Systemwechsel oder Relaunch: Beim Umzug eines Shops gehen Rankings fast nie wegen des neuen Systems verloren, sondern auf dem Weg dorthin: Adressen ändern sich ohne Weiterleitung, Texte bleiben im alten Shop liegen, und nach dem Livegang schaut keiner nach. Wenn du vorher jede Seite mit Besuchern erfasst, sie eins zu eins auf ihre neue Adresse leitest, Titel und Inhalte mitnimmst und die ersten Wochen in der Search Console nacharbeitest, bleibt deine Sichtbarkeit in aller Regel erhalten.

Warum Shops beim Umzug Rankings verlieren

„wir sind letzte Woche von Magento2.x zu Shopify umgezogen und unserer Traffic ist um 75 % eingebrochen.“
Shopbetreiber, Shopify-Community

So ein Satz macht Angst. Und er stimmt ja auch, der Traffic war weg. Nur lag es nicht an Shopify. Google hat einfach nicht mehr gefunden, was es vorher kannte.

Stell dir vor, du ziehst um und sagst der Post nichts. Die Briefe kommen weiter an die alte Adresse. Ein paar Wochen lang nimmt sie dort noch jemand an. Dann geht alles zurück. So läuft das mit Google auch: Jede alte Adresse, die ins Leere führt, verliert nach und nach ihren Platz in den Ergebnissen.

Es gibt fünf Stellen, an denen das passiert:

  1. Adressen ändern sich ohne Weiterleitung. Aus /damen/kleider/sommerkleid-rot wird /products/sommerkleid-rot. Ohne Weiterleitung ist die alte Seite für Google tot.
  2. Alles zeigt auf die Startseite. Bequem eingerichtet, für Google aber fast so schlecht wie gar keine Weiterleitung. Die Startseite beantwortet nicht die Frage, für die die alte Seite gerankt hat.
  3. Inhalte bleiben im alten Shop. Kategorietexte, Seitentitel, Beschreibungen, Ratgeberseiten. Der neue Shop sieht schöner aus und sagt weniger.
  4. Technische Signale fehlen. Der Testshop war gesperrt, die Sperre bleibt drin. Die Sitemap fehlt. Verweise zeigen noch auf alte Adressen.
  5. Nach dem Livegang schaut keiner nach. Fehler, die in Woche eins zehn Minuten Arbeit wären, kosten in Woche sechs Rankings.

Das neue System ist selten das Problem. Der Weg dorthin ist es.

Wo Besucher beim Umzug verloren gehenOhne Plan: unterwegs verloren
Alter ShopNeuer Shop
12345
1Adressen ohne Weiterleitung2Alles auf die Startseite3Inhalte bleiben liegen4Technische Signale fehlen5Keiner schaut nach
Schema, keine Messwerte. Jede Stelle lässt sich vor dem Umschalten schließen.

Schritt 1: Bestand aufnehmen, bevor irgendwas umzieht

Bevor du eine einzige Weiterleitung anlegst, brauchst du die vollständige Liste aller Adressen, die dein alter Shop heute hat. Nicht die, die du kennst. Alle.

Die holst du aus drei Quellen:

  • Crawl des alten Shops: Ein Crawler wie Screaming Frog läuft einmal durch den Shop und schreibt jede erreichbare Adresse auf.
  • Search Console: Unter „Leistung“ exportierst du die Seiten mit Klicks und Impressionen der letzten 16 Monate. Das sind die Seiten, die Google kennt und zeigt.
  • Analytics und Backlinks: Einstiegsseiten aus GA4 und die Seiten, auf die andere Websites verlinken. Die sind oft älter, als du denkst.
Drei leuchtende Datenströme aus einer Baumstruktur, einem Stapel und einem Netz von Verbindungen laufen zu einer geordneten Liste zusammen
Drei Quellen, eine Liste: Crawl, Search Console und Backlinks ergeben zusammen den vollständigen Bestand.

Was du vorher nicht aufschreibst, vermisst du hinterher nicht. Google schon.

Schau, dass du diese Liste speicherst, bevor der alte Shop abgeschaltet wird. Danach kannst du nicht mehr nachsehen.

Schritt 2: Eine Top-Prio-Liste, statt alles gleich zu behandeln

Die meisten Adressen eines Shops bringen keinen einzigen Besucher. Bei einem Umzug, den wir mit über 300.000 Bestellungen gemacht haben, standen 828 alte Bewertungsseiten in der Liste. Besucher hatten davon 23.

Das heißt nicht, dass die anderen 805 egal sind. Sie bekommen eine saubere Regel. Aber die 23 bekommen einen Menschen, der jede einzeln prüft.

So sortierst du:

  • Top-Prio: Seiten mit Klicks, Umsatz oder Backlinks. Jede wird einzeln zugeordnet und nach dem Umschalten einzeln getestet.
  • Mittel: Seiten mit Impressionen, aber wenig Klicks. Zuordnung per Regel, eine Stichprobe wird getestet.
  • Rest: Seiten ohne Besucher. Eine Regel leitet sie auf die nächstpassende Seite. Hauptsache, nichts endet im Leeren.
Leuchtende Linien verbinden Punkte links eins zu eins mit Punkten rechts, einige Punkte links sind größer und heller
Jede alte Adresse bekommt ein Ziel. Die großen Punkte sind die Top-Prio-Seiten.

Nicht jede Adresse ist gleich viel wert. Die wertvollen bekommen deine Zeit, der Rest eine Regel.

Schritt 3: Jede alte Adresse auf ihre passende neue Seite

Jetzt baust du den Weiterleitungsplan: alte Adresse links, neue Adresse rechts. Eins zu eins, also die Seite des roten Sommerkleids auf die Seite des roten Sommerkleids. Nicht auf „Kleider“, nicht auf die Startseite.

Technisch ist das eine 301-Weiterleitung. Sie sagt Google: Diese Seite ist dauerhaft umgezogen, und zwar hierhin. In Shopify legst du sie im Admin unter den URL-Weiterleitungen einzeln an oder importierst die ganze Liste als CSV-Datei.

WeiterleitungsplanAlles auf die Startseite
Alt
Neu
/kleider/kleid-rot/
/marke/lumi/
/ratgeber/pflege/
/kleider/
/ (Startseite)
/products/kleid-rot
/collections/lumi
/blogs/news/pflege
/collections/kleider
Beispieladressen. Shopify legt Produkte immer unter /products/ und Kategorien unter /collections/ ab, deshalb ändern sich beim Umzug fast alle Adressen.

Schwierig wird es bei Seiten, die es im neuen Shop so nicht mehr gibt. Dafür brauchst du Regeln. Bei dem großen Umzug sah das für die Herstellerseiten so aus:

  • Hersteller mit nur einem Produkt: Weiterleitung direkt auf das Produkt.
  • Hersteller mit Besuchern und mehreren Produkten: eine eigene Kategorie im neuen Shop. Das waren 28.
  • Alle anderen: Weiterleitung auf die gefilterte Produktübersicht.

Am Ende standen 4.095 Weiterleitungen in diesem einen Shop.

Bei Shopify kommen drei Eigenheiten dazu, die du kennen solltest:

  • Feste Pfade: Produkte liegen immer unter /products/, Kategorien unter /collections/, Inhaltsseiten unter /pages/. Deine alten Adressen ändern sich also fast alle, auch wenn der Produktname gleich bleibt.
  • Weiterleitungen greifen nur bei leeren Adressen: Gibt es unter der alten Adresse im neuen Shop schon eine Seite, wird nicht weitergeleitet.
  • Schrägstrich am Ende: Endeten deine alten Adressen mit einem Schrägstrich, teste beide Schreibweisen.
„Das Problem ist, dass alle Kategorien in Shopware mit einem Slash enden.“
Shopbetreiber, Shopify-Community

Dieser Satz steht so ähnlich in vielen Foren. Er ist lösbar. Aber nur, wenn man vorher davon weiß.

Eine Weiterleitung auf die Startseite ist keine Weiterleitung. Sie ist ein höflicher Fehler.

Schritt 4: Inhalte und Signale mitnehmen

Google rankt keine Adressen, sondern Inhalte. Wenn die Adresse umzieht, der Text aber nicht, hilft die beste Weiterleitung wenig.

Prüf für jede Top-Prio-Seite:

  • Seitentitel und Beschreibung: gleiche Aussage wie vorher, gern besser, aber nicht kürzer.
  • Überschrift und Text: Kategorietexte und Produktbeschreibungen ziehen vollständig mit um.
  • Bilder: Die Bildbeschreibungen (Alt-Texte) kommen mit.
  • Interne Verweise: Menü, Fußzeile und Texte zeigen direkt auf die neuen Adressen, nicht über die Weiterleitung.
  • Sperren: Der Passwortschutz des Testshops ist vor dem Umschalten weg.
  • Mehrere Sprachen: Jede Sprachversion bekommt ihre eigene Weiterleitung, und die Sprachverweise stimmen.

Die Adresse zieht um, der Inhalt muss mit.

Schritt 5: Der Umschalttag

Der Tag selbst ist unspektakulär, wenn die Schritte davor sauber waren. Die Reihenfolge:

  1. Weiterleitungen importieren, bevor die Domain umgestellt wird.
  2. Domain auf den neuen Shop zeigen lassen.
  3. Top-Prio-Liste durchtesten: Jede alte Adresse aufrufen. Landet sie auf der richtigen Seite?
  4. Sitemap in der Search Console einreichen. Shopify erzeugt sie selbst unter /sitemap.xml.
  5. Tracking prüfen: Kommen Bestellungen in Analytics und in den Werbekonten an? Warum die Zahlen danach trotzdem auseinanderlaufen können, steht in Vier Dashboards, vier verschiedene Umsätze.

Und such dir einen ruhigen Tag aus. Nicht kurz vor der Hauptsaison, nicht vor einem Feiertag. Und nicht Freitag um 16 Uhr. Das weiß jeder, und trotzdem passiert es.

Umgeschaltet wird, wenn die Liste fertig ist, nicht wenn der Kalender es sagt.

Schritt 6: Die ersten Wochen in Runden nachbessern

Nach dem Livegang fängt die halbe Arbeit erst an. In den ersten vier bis sechs Wochen schaust du einmal pro Woche in die Search Console, bei großen Shops öfter:

  • Seiten-Bericht: Welche Adressen liefern „Nicht gefunden (404)“? Jede davon bekommt eine Weiterleitung.
  • „Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert“: Welche neuen Seiten nimmt Google noch nicht auf, und warum?
  • Positionen der Top-Prio-Seiten: Vergleich mit dem Stand vor dem Wechsel. Was abrutscht, wird geprüft: Fehlt Text, stimmt der Titel, kommt die Weiterleitung an?
Die ersten Wochen nach dem Umschalten
UmschaltenRunde 1Runde 2Runde 3vorherWoche 6Schema, keine echten Daten. Jede Runde heißt: Search Console prüfen, Fehler beheben, Top-Prio-Seiten vergleichen.

Kleine Schwankungen in den ersten Wochen sind normal. Google muss die neuen Adressen erst einmal sehen und einordnen. Wichtig ist, dass du Fehler findest, solange sie klein sind.

Die ersten sechs Wochen entscheiden, ob aus einer Schwankung ein Verlust wird.

Wenn ihr beim letzten Wechsel schon Rankings verloren habt

Dann seid ihr nicht allein. Und ein Teil davon ist oft noch da, nur nicht mehr verbunden.

Bevor ihr wieder umzieht, lohnt sich eine Bestandsaufnahme rückwärts:

  • Verlust eingrenzen: In der Search Console die Wochen vor und nach dem alten Wechsel vergleichen. Welche Seiten und Suchbegriffe sind damals weggebrochen?
  • Alte Adressen wiederfinden: Über alte Crawls, das Webarchiv (archive.org) und Backlinks die Adressen des vorletzten Shops sammeln. Viele davon führen heute noch ins Leere, und andere Websites verlinken trotzdem darauf.
  • Ketten auflösen: Zeigt eine sehr alte Adresse erst auf den heutigen Shop und von dort weiter auf den neuen, wird daraus eine direkte Weiterleitung.
  • Verlorene Inhalte zurückholen: Kategorietexte und Ratgeberseiten, die beim letzten Mal weggefallen sind, wieder aufbauen.
Blasse alte Adresspunkte links, einige davon mit leuchtenden Linien direkt mit dem neuen Shop rechts verbunden, an der mittleren Spalte vorbei
Alte Adressen vom vorletzten Shop, direkt auf den neuen geleitet. Ohne Umweg über den heutigen.

So wird der neue Umzug zur Reparatur des alten.

Wer weiß, was beim letzten Mal verloren ging, holt einen Teil davon beim nächsten Mal zurück.

Wer sollte den Umzug machen?

Einen kleinen Shop mit 30 Produkten und wenig Besuch über Google kannst du mit der Import-App von Shopify und dieser Anleitung selbst umziehen.

Sobald Google ein nennenswerter Teil deines Umsatzes ist, gehört jemand mit SEO-Erfahrung von Anfang an dazu. Nicht erst, wenn die Zugriffe fallen. Wir haben eigene SEO-Experten im Team und nehmen sie dazu, sobald SEO für deinen Shop relevant wird.

Drei Menschen aus dem NextPercent-Team am Holztisch, einer zeigt auf eine Liste auf dem Tablet
Bei uns am Tisch: Bevor umgezogen wird, steht der Plan.

Und frag jeden Anbieter vorher, wie er Weiterleitungen plant, wer die Search Console nach dem Livegang betreut und wie lange. Wenn darauf keine klare Antwort kommt, weißt du genug. Welche Sonderfälle ein guter Anbieter sonst noch abfragt, steht auf unserer Seite zur Shopify-Migration. Dort gibt es auch die Migrations-Checkliste mit zwölf Kapiteln zum Abhaken. Und wenn die Plattform selbst noch nicht feststeht: Shopify vs. Shopware.

Häufige Fragen

Sechs Schritte: alle alten Adressen erfassen (Crawl, Search Console, Analytics, Backlinks), eine Top-Prio-Liste nach Klicks, Umsatz und Backlinks bauen, jede alte Adresse per 301-Weiterleitung auf die passende neue Seite leiten, Titel und Texte mitnehmen, am Umschalttag die Top-Prio-Seiten testen und die Sitemap einreichen und in den ersten Wochen die Search Console in Runden nacharbeiten.

Im Shopify-Admin unter den URL-Weiterleitungen, einzeln oder als CSV-Import für viele Adressen auf einmal. Shopify setzt dabei 301-Weiterleitungen. Wichtig: Eine Weiterleitung greift nur, wenn unter der alten Adresse im neuen Shop keine Seite mehr existiert. Endeten alte Adressen mit einem Schrägstrich, teste beide Schreibweisen.

Nein. Rankings gehen verloren, wenn Adressen ohne Weiterleitung wegfallen, Inhalte nicht mitziehen oder nach dem Livegang niemand nachbessert. Mit sauberem Weiterleitungsplan und Nacharbeit in der Search Console bleibt die Sichtbarkeit in aller Regel erhalten. Kleine Schwankungen in den ersten Wochen sind normal.

Bei sauberer Umsetzung pendeln sich kleine Schwankungen meist innerhalb weniger Wochen ein. Bleibt eine wichtige Seite länger unten, liegt fast immer ein konkreter Fehler vor: eine fehlende Weiterleitung, ein fehlender Text oder ein falscher Titel. Den findest du in der Search Console.

So viele, wie der alte Shop Adressen hat, die Besucher oder Backlinks bringen, und eine Regel für alle anderen. Bei kleinen Shops sind das ein paar hundert, bei großen mehrere tausend. In einem unserer Projekte waren es 4.095.

Nein. Google behandelt solche Weiterleitungen fast wie fehlende Seiten, weil die Startseite nicht die Frage beantwortet, für die die alte Seite gerankt hat. Jede Adresse sollte auf die inhaltlich passende neue Seite zeigen.

Oft zum Teil. Dafür vergleicht man in der Search Console die Zeit vor und nach dem alten Wechsel, sucht die damaligen Adressen über alte Crawls, das Webarchiv und Backlinks und leitet sie direkt auf die passenden Seiten. Verlorene Texte werden wieder aufgebaut.

Bei kleinen Shops mit wenig Besuch über Google nicht zwingend. Sobald Google ein relevanter Teil des Umsatzes ist, ja, und zwar von der Planung an, nicht erst nach dem Livegang.

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