Dropshipping in Deutschland: Recht, Zoll und Kosten 2026
Dropshipping in Deutschland 2026: wer haftet, was der neue Zoll auf China-Pakete kostet, Lieferanten in der EU, Shopify-Apps und wann Private Label besser ist.

Jason Spizert
Aktualisiert am 26. Oktober 2026
Veröffentlicht ca. 9 Min.
Die kurze Antwort
Dropshipping ist in Deutschland legal: Du verkaufst im eigenen Shop, ein Lieferant verschickt direkt an den Kunden. Rechtlich bist aber du der Verkäufer und haftest für Gewährleistung, Widerruf, Produktsicherheit und Lieferzeit. Seit Juli 2026 kostet jedes Paket aus einem Nicht-EU-Land unter 150 € pauschal 3 € Zoll je Warenkategorie, ab November 2026 kommen 2 € Bearbeitungsgebühr dazu. Mit Lieferanten in der EU kann Dropshipping ein Weg sein, Produkte zu testen. Für eine Marke auf Dauer ist es selten der beste.
Die meisten Seiten zu Dropshipping in Deutschland stammen von Lieferanten, Verzeichnissen oder Marktplätzen, die daran verdienen, dass du anfängst. Dieser Artikel verdient an keinem Lieferanten. Er rechnet vor, was sich 2026 geändert hat, und sagt offen, wann Dropshipping passt und wann nicht.
Wie funktioniert Dropshipping?
Du stellst Produkte eines Lieferanten in deinen Shop, zu deinem Preis. Bestellt ein Kunde, gibst du die Bestellung an den Lieferanten weiter und bezahlst dort den Einkaufspreis. Der Lieferant verschickt direkt an den Kunden. Du hast kein Lager und kaufst nichts vorab ein.
Das klingt nach geringem Risiko, verschiebt es aber nur. Lager und Vorfinanzierung fallen weg, die Haftung bleibt komplett bei dir:
Was hat sich 2026 geändert?
Bis Juni 2026 waren Pakete aus Drittländern bis 150 € Warenwert zollfrei. Seit 1. Juli 2026 gilt das nicht mehr. Je Warenkategorie im Paket fällt pauschal 3 € Zoll an, wenn über IOSS oder als Postsendung im Fernabsatz verzollt wird. Ab 1. November 2026 kommen 2 € Bearbeitungsgebühr je Warenkategorie dazu, unabhängig vom Warenwert und nicht erstattbar, auch wenn die Ware zurückgeht.
Bei einem Artikel für 25 € Warenwert sind das ab November 5 € mehr pro Paket, plus Einfuhrumsatzsteuer auch auf diese 5 €. Bei günstiger Ware mit kleiner Marge ist das ein spürbarer Teil des Gewinns. Der 3-€-Satz gilt als Übergang bis mindestens Juli 2028, danach sollen die normalen Zollsätze je Artikel greifen.
Wer bei Direktversand aus China als Einführer gilt und wer IOSS nutzen muss, hängt an deiner Konstellation. Klär das mit deiner Steuerberatung, bevor die erste Bestellung rausgeht.
Daneben gelten seit 2025 und 2026 weitere Regeln, die Dropshipper direkt treffen: die Produktsicherheitsverordnung GPSR, der Widerrufsbutton seit Juni 2026 und die EU-Verpackungsverordnung seit August 2026. Was GPSR für deine Produktseiten bedeutet, steht in GPSR im Onlineshop.
Lieferanten: China oder EU?
Die Lieferzeit ist beim Dropshipping der heikelste Punkt, weil du sie vor der Bestellung angeben musst. Unabhängige Messungen dazu gibt es nicht, nur die Angaben der Anbieter:
| Anbieter | Lager | Lieferzeit laut Anbieter | Kosten |
|---|---|---|---|
| AliExpress (meist über DSers) | China | keine feste Angabe; Lieferschutz greift erst nach 60 bis 120 Tagen, mit „Fast delivery“ früher | Produktpreis |
| CJdropshipping | China, auch Lager in Deutschland | 3 bis 7 Tage aus dem lokalen Lager | Produktpreis plus Versand |
| BigBuy | Spanien | Versand meist in 24 bis 48 Stunden vorbereitet | 89 € Aufnahme, ab 74,17 €/Monat |
| vidaXL (dropXL) | EU | keine Angabe auf der Registrierungsseite | 30 €/Monat |
| Spocket | laut Anbieter 80 % USA oder Europa | 2 bis 7 Tage (Eigenwerbung) | ab 39,99 $/Monat |
| Syncee | je Lieferant | legt jeder Lieferant selbst fest | ab 39,99 $/Monat, kleiner Gratistarif |
Lieferanten mit Lager in der EU kosten mehr im Einkauf, sparen aber Zoll, Bearbeitungsgebühr und vor allem Ärger: Rücksendungen bleiben in der EU, Lieferzeiten werden planbar.
Verbraucherzentrum
Das Europäische Verbraucherzentrum rät Kunden ausdrücklich davon ab, Ware nach Asien zurückzuschicken. Wer seriös dropshippen will, beginnt genau an diesem Punkt.
Dropshipping mit Shopify
Shopify ist die verbreitetste Basis für Dropshipping. In seiner Hilfe empfiehlt Shopify vier Apps: Shopify Collective, Dropcommerce, Dropship und Syncee. Die bekannteren Apps für AliExpress und China-Ware stehen dort nicht.
| App | Kostenlos | Bezahlte Tarife |
|---|---|---|
| DSers (AliExpress) | Basic | 19,90 $ und 49,90 $ |
| AutoDS | nein | ab 26,90 $, 39,90 $, 66,90 $ |
| Spocket | Free | 39,99 $ bis 99,99 $ |
| Zendrop | Free, ohne verknüpfte Produkte | 29 $ bis 79 $ |
| Syncee | bis 25 Produkte | 39,99 $ bis 99,99 $ |
Zwei Punkte unterschätzen viele. Shopify Payments kann Reserven einbehalten, also einen Teil der Einnahmen vorübergehend zurückhalten. Als Risikofaktoren nennt Shopify unter anderem Rückbuchungen wegen verspäteter Lieferung und Branchen mit langen Lieferzeiten. Und jede Rückbuchung kostet in Deutschland 15 €, auch wenn du sie später gewinnst und erstattet bekommst. Was ein Shop insgesamt kostet, steht in Was kostet Shopify?, den Aufbau Schritt für Schritt erklärt Shopify-Shop erstellen.
Lohnt sich Dropshipping noch?
Shopify nennt Rohmargen von 20 bis 50 % und schreibt selbst, dass es keine Ausfallquote speziell für Dropshipping gibt. Von der Rohmarge gehen Werbung, Zahlungsgebühren, Apps, Retouren, Rückbuchungen und seit 2026 Zoll ab. Werbung ist laut Shopify der größte Posten. Weil viele Shops dieselben Produkte anbieten, gewinnt meist der, der am günstigsten Käufer einkauft. Wie viel ein Kunde kosten darf, rechnest du mit dem CAC.
Dropshipping kann passen, wenn …
- du ein Sortiment testen willst, bevor du Ware einkaufst
- dein Lieferant in der EU sitzt und verlässlich liefert
- du Lieferzeit und Rücksendeadresse ehrlich angibst
- du Produkte mit Beratungsbedarf und guter Produktseite verkaufst
Lass es eher, wenn …
- die Ware 20 € kostet und aus China kommt
- dasselbe Produkt in hundert anderen Shops steht
- du Elektrogeräte oder Batterien ohne geprüfte Registrierung verkaufen willst
- du eine Marke aufbauen willst, die man wiedererkennt
Die Alternative: eigene Marke mit Private Label
Bei Private Label lässt du ein Produkt unter deinem Namen herstellen und kaufst eine erste Menge ein. Rechtlich bist du dann Hersteller und trägst die volle Produktverantwortung. Beim Dropshipping aus China trägst du als Einführer ohnehin schon den größten Teil davon, nur ohne Kontrolle über Produkt, Verpackung und Lieferzeit.
Die Einstiegshürden sind niedriger, als viele denken. White-Label-Hersteller für Kosmetik fangen bei 25 Stück je Produkt an, Nahrungsergänzung oft bei 300 bis 500 Stück. Eine deutsche Marke kostet beim DPMA 290 € für bis zu drei Klassen, eine EU-Marke 850 € für eine Klasse. Wie du aus einem Produkt eine Marke machst, steht in Eigene Marke gründen, ein durchgerechnetes Beispiel in Eigenes Parfum herstellen lassen.
Kommen schon Besucher, aber keine Käufe, hilft Viele Besucher, keine Verkäufe. Willst du den Shop bauen lassen, zeigt Onlineshop erstellen lassen, was in welchem Umfang steckt. Das hier ist keine Rechts- oder Steuerberatung.
Häufige Fragen
Ja. Dropshipping ist ein normales Handelsgeschäft. Du brauchst ein Gewerbe und erfüllst alle Pflichten eines Onlinehändlers: Impressum, Widerrufsbelehrung, Datenschutz, Produktsicherheit, Verpackungsregister. Gegenüber dem Kunden bist du der Verkäufer, auch wenn der Lieferant das Paket verschickt.
Du haftest für Ware, die du nie gesehen hast. Gewährleistung, Widerruf, Produktsicherheit und Lieferzeit liegen bei dir, der Lieferant sitzt oft außerhalb der EU. Dazu kommt seit Juli 2026 Zoll auf jedes Paket aus Drittländern, ab November zusätzlich eine Gebühr. Und weil viele dieselben Produkte anbieten, entscheidet meist der Werbepreis.
Mit Lieferanten in der EU, eigenen Produktseiten und ehrlicher Lieferzeit kann es ein Weg sein, ein Sortiment zu testen. Billigware aus China direkt an deutsche Kunden ist seit dem Wegfall der Zollfreigrenze teurer geworden und rechtlich riskant. Für eine Marke auf Dauer ist Private Label meist der bessere Weg.
Dafür gibt es keine belastbare Zahl. Shopify nennt Rohmargen von 20 bis 50 % und schreibt selbst, dass es keine Ausfallquote speziell für Dropshipping gibt. Was übrig bleibt, hängt vor allem an den Werbekosten pro Kauf, an Retouren und Rückbuchungen. Zahlen wie „90 % scheitern“ haben keine Quelle.
Ja, wer regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkauft, betreibt ein Gewerbe und muss es anmelden. Die meisten Lieferanten verlangen außerdem eine Umsatzsteuer-ID oder eine Steuerbescheinigung.
Laut IT-Recht Kanzlei ist eine Rücksendeadresse außerhalb der EU in der Regel nicht zulässig, weil Kunden sich dann um Zollformalitäten kümmern müssten. Zulässig ist eine abweichende Adresse, wenn sie klar in der Widerrufsbelehrung steht, Pakete annimmt und dem Kunden keine Mehrkosten entstehen. Das Europäische Verbraucherzentrum rät Kunden ausdrücklich davon ab, Ware nach Asien zurückzuschicken.
Shopify empfiehlt in seiner Hilfe vier Apps: Shopify Collective, Dropcommerce, Dropship und Syncee. Für AliExpress ist DSers am verbreitetsten, das sich selbst als offiziellen Partner bezeichnet. Die Basistarife sind oft kostenlos, ab etwa 20 bis 40 US-Dollar im Monat kommen Automatisierung und mehr Produkte dazu.











