Kleidung online verkaufen: Kanäle, Gebühren und Pflichten für Modemarken 2026
Kleidung gewerblich online verkaufen: eigener Shop, Zalando, Amazon, OTTO, Etsy und TikTok im Gebührenvergleich, Textilkennzeichnung, Widerruf und Retouren.

Jason Spizert
Aktualisiert am 26. Oktober 2026
Veröffentlicht ca. 9 Min.
Die kurze Antwort
Wer eine eigene Marke oder Boutique hat, verkauft Kleidung online am besten über einen eigenen Shop als Basis und ergänzt Marktplätze dort, wo sie Käufer bringen, die er selbst nicht erreicht. Der eigene Shop kostet ab 27 € im Monat plus rund 2 % Zahlungsgebühr, Marktplätze nehmen 9 bis 17 % Provision je Verkauf. Für Kleidung gelten zusätzliche Pflichten, allen voran die Faserangabe vor dem Kauf. Über den Gewinn entscheiden in der Mode vor allem die Retouren.
Wer „Kleidung online verkaufen“ sucht, landet fast nur bei Ankaufdiensten für gebrauchte Sachen. Wenn du ausmisten willst, sind Vinted, Kleinanzeigen oder momox fashion der schnellste Weg. Dieser Artikel ist für alle, die gewerblich verkaufen: mit eigener Kollektion, als Boutique oder mit zugekaufter Ware.
Mode ist online der größte Markt im deutschen Onlinehandel. Laut bevh wurde 2025 Bekleidung für 15,1 Mrd. € online gekauft, mit Schuhen sind es 19,2 Mrd. €. Das ist fast ein Viertel aller Onlinekäufe, aber immer noch rund 22 % weniger als 2021. Der Markt wächst wieder, aber nicht von allein.
Wo kannst du Kleidung gewerblich online verkaufen?
Grob über drei Arten von Kanälen: den eigenen Shop, Marktplätze und soziale Netzwerke mit Shop-Funktion. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wem der Kunde danach gehört.
Zwei Kanäle fallen für Marken weg, obwohl sie oft genannt werden. Vinted Pro verbietet selbst hergestellte Artikel und Neuware in Mengen. Etsy erlaubt eigene Designs mit Produktionspartner, aber keine zugekaufte Ware zum Weiterverkauf.
Was kostet jeder Kanal pro Verkauf?
Die Monatsgebühr ist selten das Problem, die Provision schon. Wähl unten einen Preis und sieh, was vom Verkauf an den Kanal geht:
Bei einer Jacke für 119 € gehen im eigenen Shop rund 2,80 € an Gebühren, bei Amazon 17,85 €. Der Unterschied bezahlt im eigenen Shop einen Teil der Werbung, die du dort selbst machen musst. Marktplätze verkaufen dir Reichweite. Wie viel ein Neukunde über Werbung kosten darf, rechnest du mit dem CAC.
Zalando und ABOUT YOU nennen ihre Provision erst nach der Registrierung. Zalando stellt außerdem sein Modell Connected Retail bis Mitte 2027 ein und rechnet ab September 2026 für alle Partner eine Standardgebühr ab. Frag die Sätze vor dem Start schriftlich an.
Wie du Marktplätze an einen Shopify-Shop anbindest, ohne Bestände doppelt zu pflegen, steht in Shopify mit Amazon und eBay verbinden. Für den TikTok Shop gibt es einen eigenen Artikel: TikTok Shop in Deutschland.
Eigener Shop oder Marktplatz?
Eigener Shop zuerst, wenn …
- du eine Marke mit eigener Bildsprache aufbauen willst
- du Kundendaten für Newsletter und Wiederkäufe brauchst
- deine Marge Werbung tragen kann
- du über Instagram oder TikTok schon Reichweite hast
Marktplatz zuerst, wenn …
- du austauschbare Ware verkaufst, nach der gezielt gesucht wird
- du ohne Werbebudget testen willst, ob sich die Ware verkauft
- deine Marke bei Zalando oder ABOUT YOU neben bekannten Namen gewinnt
- du Lager und Versand ohnehin auslagern willst
Viele Modemarken machen beides: Der eigene Shop trägt die Marke und die Stammkunden, ein bis zwei Marktplätze bringen zusätzliche Käufer.
Wie du von der Idee zur Modemarke kommst, steht in Eigene Modemarke gründen. Den Shop selbst baust du mit der Anleitung Shopify-Shop erstellen.
Welche Pflichten gelten speziell für Kleidung?
Neben Impressum, Widerrufsbelehrung und AGB, die jeder Shop braucht, kommen bei Kleidung eigene Regeln dazu. Die wichtigste übersehen viele Shops: Die Faserzusammensetzung muss vor dem Kauf im Shop stehen, nicht nur auf dem Etikett.
Was ein Onlineshop allgemein an Rechtstexten braucht, steht in Rechtstexte im Onlineshop. Die Herstellerangaben nach GPSR erklärt GPSR im Onlineshop, die neue Verpackungsverordnung EU-Verpackungsverordnung. Das hier ist keine Rechtsberatung.
Warum entscheiden Retouren über den Gewinn?
Die Uni Bamberg schätzt für 2026 rund 560 Mio. Retourenpakete in Deutschland, über 80 % davon Mode. Laut einer EHI-Befragung von 2025 bekommt jeder achte Modehändler mehr als die Hälfte seiner Bestellungen zurück.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Hauptgrund für Mode-Retouren | Passform oder Größe, bei zwei Dritteln | Deloitte, 1.000 Befragte, April 2026 |
| Bearbeitung je Retoure | bei 53 % der Händler bis 10 € | EHI 2025, 124 Händler |
| Rückversand je Retoure Mode | bei knapp 48 % 2,51 bis 5 € | EHI 2025 |
| Kostenlose Rücksendung wichtig | 94 % der Onlinekäufer | Bitkom, Juni 2025 |
| Kaufen nicht ohne kostenlose Rücksendung | 45 % der Befragten | YouGov, Oktober 2025 |
Kostenlose Retouren sind in Deutschland Standard, das Geld musst du an anderer Stelle sparen. Der größte Hebel liegt vor dem Kauf: Wer die richtige Größe bestellt, schickt seltener zurück.
Retouren
Jede Retoure, die du über eine bessere Produktseite vermeidest, ist Marge. Bei Mode ist das oft mehr wert als eine niedrigere Provision.
Konkret heißt das: Maße je Größe in Zentimetern statt einer allgemeinen Größentabelle, ein Satz zum Schnitt („fällt klein aus“, „oversized“), Größe und Konfektionsgröße des Models, Fotos am Körper. Eine Studie mit zwei Experimenten fand eine höhere Kaufabsicht bei Fotos, auf denen man sich das Teil leichter selbst vorstellen kann. Die Autoren empfehlen Fotos am Model für die Produktseite. Welche Bilder du dafür brauchst, steht in Produktfotos für den Onlineshop.
Welche Zahlungsarten braucht ein Modeshop?
Laut EHI liefen 2025 im deutschen Onlinehandel 28,7 % des Umsatzes über PayPal und 26,1 % über Rechnung, dahinter Lastschrift und Karten. Gerade bei Mode, wo Kunden mehrere Größen bestellen und zurückschicken, ist Kauf auf Rechnung beliebt, weil niemand Geld vorstrecken will. Ein Modeshop ohne PayPal und Rechnungskauf, etwa über Klarna, verschenkt Käufe. Welche Zahlungsarten Shopify wie abbildet, steht in Shopify Payments, PayPal und Klarna.
Womit fängst du an?
Die Kanalfrage ist schnell geklärt, wenn du die Gebühren kennst. Schwerer ist alles andere: Warum jemand bei dir kauft statt bei einer der großen Marken, und wie die Produktseite so viele Fragen zur Größe beantwortet, dass weniger zurückkommt. Kommen Besucher, aber keine Käufe, hilft Viele Besucher, keine Verkäufe. Willst du den Shop bauen lassen, zeigt Onlineshop erstellen lassen, was in welchem Umfang steckt.
Häufige Fragen
Für gebrauchte Kleidung von privat: Vinted, Kleinanzeigen oder Ankaufdienste wie momox fashion. Für eine eigene Marke oder Boutique: der eigene Shop als Basis, dazu ausgewählte Marktplätze wie Zalando, Amazon oder OTTO, wenn sich deren Provision rechnet. Instagram und TikTok bringen Besucher, der Kauf landet in Deutschland meist im eigenen Shop oder im TikTok Shop.
Das hängt am Preis und an der Marge. Bei einer Hose für 59 € zahlst du im eigenen Shop rund 1,54 € Zahlungsgebühr, bei Amazon 8,85 € Provision und bei OTTO 8,85 € (Staffel Stand 2024). Marktplätze lohnen sich, wenn sie Käufer bringen, die du selbst nicht erreichst.
Gelegentlich eigene gebrauchte Kleidung zu verkaufen ist privat. Wer regelmäßig und mit Gewinnabsicht verkauft, also eine Kollektion, zugekaufte Ware oder selbst Genähtes, betreibt ein Gewerbe und muss es anmelden. Marktplätze wie Amazon, OTTO oder Zalando verlangen ohnehin ein Gewerbe, OTTO schließt Kleinunternehmer sogar aus.
Für Privatleute mit gebrauchter Kleidung ist Vinted oft die einfachste Lösung. Für Marken ist Vinted keine Option: Pro-Verkäufer dürfen dort weder selbst hergestellte Artikel noch Neuware in Mengen verkaufen.
Ja. Die Faserzusammensetzung muss laut EU-Textilkennzeichnungsverordnung vor dem Kauf deutlich sichtbar sein, ausdrücklich auch beim Kauf im Internet, und zwar auf Deutsch. Pflegesymbole sind dagegen freiwillig, aber markenrechtlich geschützt.
Nur mit echter Hygieneversiegelung, etwa einer Hygienefolie im Schritt, die nach der Lieferung entfernt wurde. Klarsichtfolie, Klebestreifen oder Zipbeutel reichen laut Rechtsprechung nicht.
Bei der Ursache anfangen: Laut Deloitte geht zwei Drittel der Mode zurück, weil Passform oder Größe nicht stimmen. Hilfreich sind Maße je Größe statt einer allgemeinen Tabelle, Angaben zum Schnitt und zur Größe des Models und Fotos am Körper. Laut EHI setzen Händler vor allem auf genauere Produktinformationen (75 %) und bessere Bilder und Videos (63 %).











